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Das Periodensystem des Glücks

Luisas Herz schlägt wie verrückt. Die Schmetterlinge im Bauch, tanzen einen heißen und wilden Tango miteinander. Total verliebt und absolut überglücklich schaut sie in Tom's tiefblaue Augen. Möge dieser einzigartige und wundervolle Augenblick doch nie vorüber gehen.

Er scheint der Richtige zu sein, ihr “Mister Right”. Der Mann auf den sie bereits ihr ganzes Leben lang, sehnsüchtig, gewartet hat. Der Eine, der sie jetzt endlich glücklich machen wird.

Glück ist nur ein Chemiebaukasten

Doch ist “Er” tatsächlich die Ursache dafür, das sie im Moment so überglücklich ist? Macht er ihr wirklich diese ganzen wunderschönen Gefühle? Braucht sie ihn tatsächlich für ihr persönliches Glück? Oder ist die Realität viel, viel einfacher?

Denn ganz nüchtern betrachtet. Ist das Glück, im Endeffekt, doch nichts anderes, als die perfekte Komposition und Kombination der verschiedenen körpereigenen Glückshormone. Die ernüchternde aber auch augenöffnende Wahrheit lautet. Wir halten unser Glück, zu einem Großteil, in unseren eigenen Händen und können es somit auch selbst beeinflussen.

Im ersten Moment vielleicht etwas unromantisch, birgt diese Tatsache doch eine enorme und gewaltige Macht. Denn wir können mit den richtigen Aktionen und Handlungen, unser persönliches Glück beeinflussen und steigern.

Das Who as Who der Glücksmoleküle

Lediglich ein paar Kohlenstoff-, Wasserstoff-, Stickstoff- und Sauerstoffatome, bilden die Grundlage unseres persönlichen Glücks. Sie sind die wahre Ursache dafür, ob wir auf diesem Planeten, den Himmel oder die Hölle erleben dürfen.

Die 7 Musketiere des Glücks heißen:
Dopamin (C8H11NO2), Serotonin (C10H12NO2), Oxytocin (C43H66N12O12S2), Adrenalin (C9H13NO3), Noradrenalin (C8H11NO3), Phenylethylamin (C8H11N) und Endorphin (körpereigene Opioide).

Die Nummer 1 der Glückshormone und dessen dunkle Seite der Macht

Dopamin ist unser Lust und Antriebshormon. Es liefert uns ein Glücksversprechen und stärkt sowohl unseren inneren Antrieb, als auch unsere Motivation. Mit Dopamin fällt es uns viel leichter, unsere Ziele zu verfolgen.

Die Kombination aus Dopamin und Serotonin stärkt in uns den Wunsch nach Wiederholung. Somit bleiben wir an unseren Projekten oder auch unserem Training dran und erhalten so unsere Motivation aufrecht. In Kombination mit Noradrenalin und Serotonin, ist Dopamin verantwortlich für unsere Feinmotorik, unser Koordinationsvermögen und unsere Konzentrationsfähigkeit.

Doch Dopamin hat sich mittlerweile, leider, zum Darth Vader der Glückshormone entwickelt und sich der dunklen Seite der Macht zugewandt. Denn Dopamin spielt bei der Entwicklung nahezu aller Süchte eine große, bzw. sogar die Hauptrolle. Unser Belohnungssystem läuft immer noch mit einem völlig veralteten Betriebssystem und hat sich bisher nicht an die heutige Lebenswirklichkeit angepasst.

Wir leben heutzutage nicht mehr in einer Mangelgesellschaft. Egal ob es sich um hochkalorische Nahrung, um soziale Anerkennung der Gruppe, mögliche Partner und Sex oder ständige Neuigkeiten handelt. Alles ist im Überfluss vorhanden. Ungeachtet dieser Tatsache, schüttet unser Belohnungssystem immer noch jede Menge Dopamin aus. Dies führt dazu, das unsere Dopaminrezeptoren immer mehr abstumpfen und wir immer mehr von diesem Stoff brauchen.

Die Industrie hat dieses Geheimnis auch schon lange erkannt und unser Belohnungssystem gekapert. Und so kaufen wir viele unnütze Dinge, die wir eigentlich gar nicht brauchen, vertrödeln unsere Lebenszeit in sozialen Netzwerken und werden von Jahr zu Jahr immer unglücklicher, dicker und kränker.

Die alles entscheidende Frage sollte also nicht lauten. Wie können wir unsere Dopaminausschüttung steigern? Sondern, wie können wir wieder zu einem gesunden und ausgeglichenen Dopaminhaushalt zurückfinden? Dies ist tatsächlich nur über einen radikalen Dopamin-Detox, also der Reduzierung heutiger Superstimuli, wie extrem zucker- und fettreicher Nahrung, dem allgegenwärtigen Smartphone und sozialen Netzwerken, möglich. Mit einem Dopamin-Detox bekommt unser Dopaminsystem endlich wieder die Chance, zu normalen und gesunden Werten zurückzukehren.

Der “Hidden Champion” – das Hormon der Zufriedenheit

Serotonin ist unser Zufriedenheits- und Wohlfühlhormon. Es verbessert unsere Stimmung und reduziert Angstgefühle. Serotonin spielt eine wichtige Funktion für unseren Schlaf und eine gut funktionierende Darmfunktion. Ausserdem ist Serotonin auch für die Gefühle von Gelassenheit, Selbstsicherheit, Stolz, Unverwundbarkeit und das Gefühl mit der Welt im Reinen zu sein verantwortlich. Ein zu niedriger Serotoninspiegel dagegen, spielt eine große Rolle bei der Entstehung von Depressionen.

Der Serotoninspiegel lässt sich über die nachfolgenden Punkte, auf ganz natürliche Art und Weise erhöhen. Zum einen über eine große Aufgabe im Leben, über einen hohen Status im Job oder im Ehrenamt. Eine gesunde Ernährung mit viel Eiweissen und tryptophanhaltigen Lebensmitteln, sowie einer hohen Zufuhr von Vitamin D und Omega 3 Fettsäuren.

Regelmässiger Sport bzw. gesunde Bewegung draußen in der Natur, schlägt die meisten Antidepressiva und hat als zusätzliches Benefit, nur positive Nebenwirkungen.

Reduziere deinen Social-Media- und Smartphone-Konsum, iss weniger kohlenhydratreiche Lebensmittel und unterlasse es, andere Menschen zu erniedrigen, zu jammern und zu lästern.

Platz 3 auf dem Siegertreppchen – das Kuschelhormon

Oxytocin ist unser Kuschel- und Bindungshormon, es stärkt unser Gefühl von Vertrauen und Bindung und reduziert Stress. Ausserdem ist es für das Gefühl der Verbundenheit und Geborgenheit verantwortlich. Oxytocin senkt den Blutdruck und den Cortisolspiegel. Es stärkt das Immunsystem und verbessert unser Gedächtnis. Die Hauptaufgabe von Oxtocin ist es, Vertrauen zu schaffen, unsere Regeneration zu unterstützen und uns zu entspannen indem es die Aktivität unserer Amygdala (Angstzentrum) reduziert.

Unseren Oxtytocinspiegel können wir steigern, indem wir einen geliebten Mensch in den Arm nehmen bzw. umarmen. Auch ein geliebtes Haustier zu streicheln, lässt den Oxytocinspiegel steigen. Ein Ehrenamt auszuüben, indem wir anderen Menschen helfen, führt ebenfalls zu einer erhöhten Ausschüttung von Oxytocin. Da unser Gehirn nicht zwischen der reinen Vorstellung und Realität unterscheiden kann, lässt auch die regelmässige Visualisierung einer herzlichen Umarmung unseren Oxytocinspiegel ansteigen.

Folgende Dinge solltest du in jedem Fall reduzieren: Ein starkes Harmoniebedürfnis führt dazu, das wir Auseinandersetzungen und Konflikten aus den Weg gehen. Wir sagen viel zu oft “Ja” zu Dingen die wir eigentlich gar nicht tun wollen und treten nicht für unsere wahren Bedürfnisse ein. Die Folge ist, das wir uns so selbst verraten und in innere Konflikte geraten, die uns letztendlich unglücklich machen.

Helfen wir anderen Menschen, steigert dies ebenfalls unseren Oxytocinspiegel. Vergessen wir uns hierbei aber selbst oder muten uns zu viel zu, führt dies auch wieder zu neuem Stress und zu einem erhöhten Cortisolspiegel. Die Folge davon ist, ein starkes Absinken des Oxytocinspiegels. Dies führt wiederum zu weniger sozialem Verhalten und zu vermehrten Konflikten, noch mehr Stress und zu einem weiteren Absinken des Oxytocins.

Unsere Muthormone machen manchmal Stress

Adrenalin und Noradrenalin, sind unsere Muthormone. Im Prinzip handelt es sich bei diesen beiden Hormonen um unseren Turboboost. Ursprünglich waren sie dazu gedacht, uns in Gefahrensituationen einen starken Energieschub zu geben, so das wir uns entweder einem Kampf stellen oder die Flucht ergreifen konnten. Adrenalin und Noradrenalin sorgen normalerweise für einen kurzfristigen Stress und steigern massiv unsere Konzentration und Handlungsbereitschaft. Wenn wir ein wichtiges Projekt fertigstellen müssen, einen sportlichen Wettkampf gewinnen wollen oder für eine wichtige Prüfung büffeln, treiben uns Adrenalin und Noradrenalin zu Höchstleistungen an.

Problematisch wird es aber immer dann, wenn wir diesen Turboboost zu oft anwenden, bzw. nicht mehr auf die Bremse treten. Du kannst ein Auto auch mal im hohen Drehzahlbereich fahren, zum Beispiel beim schnellen Beschleunigen, wenn du auf die Autobahn fahren willst oder beim rasanten Anfahren an der Ampel. Doch dauerhaft im roten Drehzahlbereich zu fahren, lässt einen Motor extrem schnell verschleißen. Wenn wir also ständig unter Hochspannung und Druck stehen, ist das für unseren Körper ein sehr hoher Stressfaktor und macht uns auf lange Sicht krank.

Opium für das Volk

Endorphine sind unsere Energiehormone, es handelt sich dabei um körpereigene Opioide. Die Ausschüttung von Endorphinen erfolgt immer dann, wenn wir erschöpft sind oder Schmerzen haben und wenn wir uns über unsere eigenen Grenzen hinaus antreiben. Sie hemmen die Schmerzwahrnehmung und stärken die Motivation. Auch dies ist wieder ein Überbleibsel aus unser Vergangenheit. Denn in Gefahrensituationen, wenn wir vor Säbelzahntiger, Mammut und Co. davonlaufen oder uns einem Kampf stellen mussten, haben uns Endorphine immer wieder das Leben gerettet.

Es kann durchaus Sinn machen, beim Sport über unsere Grenzen hinauszugehen oder wenn wir ein wichtiges berufliches Projekt fertigstellen müssen und dafür nächtelang durcharbeiten. Genauso wie Adrenalin und Noradrenalin, sollten die Endorphine aber nur in Ausnahmefällen zum Einsatz kommen. Denn die Gefahr droht, das zum Beispiel Spitzensportler nach diesem Kick süchtig werden und ihren Körper regelmässig weit über die natürlichen und gesunden Grenzen hinaus, belasten und schädigen.

Die Lusthormone

Phenylethylamine steigern das Lustempfinden und das Gefühl der Verliebtheit. Immer wenn wir uns verlieben, befinden wir uns in einem regelrechten Drogenrausch, unserer eigenen Lust- und Liebesmoleküle. Die rosarote Brille mit der wir unseren neuen Partner dann sehen, hat ihren Grund in den Lusthormonen. Sind wir verliebt, werden zudem auch noch jede Menge, Dopamin, Serotonin und Oxytocin ausgeschüttet. So erklärt sich auch der verrückte Liebestaumel, frisch verliebter Paare.

Nur 2 Jahre später, wurde die rosarote Brille wieder durch die graue Alltagsbrille ersetzt. Der wilde Tanz der Schmetterlinge ist einem schwachen Flattern und Dahintaumeln gewichen. Auf dem Schlachtfeld der Liebe wurde auf beiden Seiten die weiße Flagge gehisst und das Bombardement der Glücks- und Liebeshormone eingestellt. Luisa und Tom gehen wieder getrennte Wege und suchen jeder für sich, wieder nach dem richtigen Partner.

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David

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